Walter Moers – Prinzession Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr: eine Rezension

58 Prinzession Insomnia & der alptraumfarbene NachtmahrAutor Walter Moers
Titel Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr
Hardcover/Softcover Ausgabe
Seitenzahl 334 Seiten
Verlag Albrecht Knaus Verlag
ISBN 3813507858
Preis 24,99 €
Genre Fantasy
Erschienen 28. August 2017

Inhalt

Wir haben eine Prinzessin mit viel Wissen und wenig Schlaf, einen Nachtmahr und ein Abenteuer, ein Abenteuer, an dessen Ende nur der Wahnsinn lauern kann. Mehr muss man wohl nicht wissen, denn es ist unglaublich! Unglaublich schön, spannend und unglaublich gut!

Meine Meinung

Professionell wie wir sind, haben wir das Buch in unserem Podcast »Die PodGedichtung« bereits groß angekündigt, obwohl wir es da noch gar nicht gelesen haben.
Jetzt haben wir das und ich ziehe nichts zurück! Gar nichts!
Walter Moers hat ein neues Buch rausgebracht und nachdem ich eigentlich Katzenmilch und Katzenfutter kaufen wollte, ist es mir eben vor die Füße gelaufen und ich wäre ein Unmensch, wenn ich es einfach da so liegen lassen würde! Es braucht Wärme und Liebe und Zuneigung. Und natürlich jemanden der es liest…

»Zwielicht ist ein schönes Licht
Im Zwielicht sieht man nämlich nicht
wie ringsherum die Welt zerbricht.

Nebel ist auch wunderschön
Im Nebel kann man nicht mehr seh’n
Wie alle Dinge untergeh’n.

Am schönsten ist die Dunkelheit
Im Dunkeln sieht man gar kein Licht
Zerträumt sich blind die Einsamkeit.«

– S.22

Das Cover ist schlicht, im typischen Walter Moers-Stil und da ich seine ganzen Bhttps://wordpress.com/post/inspirierendefreigedichtung.wordpress.com/12260ücher in der Hardcoverversion besitze (n möchte) – außer Rumo, weil das so schwer ist da für nicht sooooo viel Geld ein Hardcoverexemplar zu finden – wurde auch dieses in wunderbarem überdimensionalen Hardcover gekauft und mein Walter Moers Schrein wird immer bezaubernder!

Gedächtnisspinne

Auf dem Cover sieht man den Nachtmahr, wenn man den Schutzumschlag entfernt, sieht man Prinzession Dylia und der obere Papierschnitt ist hellviolett.
Walter Moers‘ Bücher sind immer berauschend cool illustriert und so ist es auch in diesem Exemplar. Allerdings hat dieses Büchlein nicht er selbst illustriert, sondern eine Dame mit dem Namen Lydia Rode und im Gegensatz zu den restlichen Büchern nicht nur in schwarz-weiß, sondern in FARBE – ich wiederhole –  IN FARBE! Es ist so damn cool!

Bevor man das Buch also liest, blättert man durch, weil die Bilder einen magisch anziehen und da wir eine bunte Seite im Papierschnitt haben, knackt es beim Öffnen jeder neuen Seite, das ist der pure Ohrenorgasmus sag ich euch!

»Es gibt genügend praktische Erfindungen, die uns keinen Trost spenden«, hatte Dylia einmal ihren Brüdern mitgeteilt. »Aber viel zu wenige trostspendende Erfindungen, die überhaupt keinen praktischen Nutzen haben.«

– S. 45

Beim Durchblättern bin ich auf eine kurze Anmerkung gestoßen, die ganz am Ende desZwielichtgeister Buches steht, worin Walter Moers erklärt, warum jetzt gerade dieses Buch kommt und nicht etwa, wie schon sehr lange angekündigt »Das Schloss der träumenden Bücher« und es hat mir die Sicht auf das Buch verändert und ich bin mir nicht sicher, ob ich das Buch so gelesen hätte, wenn ich das erst am Ende gelesen hätte.
(Wenn Walter Moers das ans Ende setzt, kann es aber auch heißen, dass man es eben erst am Ende lesen soll, wer kann das schon wissen? – mir hat es auf jeden Fall dadurch einen anderen Blickwinkel gegeben).

Die Geschichte ist verglichen mit seinen anderen Werken (man kann Walter Moers nur mit ihm selbst vergleichen, das geht nicht anders) durchaus spannend, aber nicht so mitreißend, wie »Rumo« oder »Die Stadt der träumenden Bücher«, aber auch nicht so langsam wie der »Blaubär«, sondern irgendwo dazwischen drin. Für die erzählte Geschichte ist es aber nicht schlecht, sondern die richtige Geschwindigkeit.

Regenbogentornado

[Ich verrate etwas: Walte Moers liest man nicht wegen der Spannung, sondern wegen der Fantasie]

Die Charaktere, das sind allen voran Prinzession Insomnia und Havarius Opal (recht viel mehr trifft man gar nicht, die wirklich etwas zu sagen haben) mit denen wir ein Abenteuer nach dem anderen in einem großen Abenteuer erleben und die großartige Diskussionen führen und sich in Schlagfertigkeit in nichts nachstehen.

»..ein Palindrom [war], ein Wort, das man von vorne nach hinten genauso lesen konnte, wie von hinten nach vorne, wie Rentner und Kajak. Prinzession Dylia musste allerdings tadeln, dass das Wort Palindrom selbst kein Palindrom war. Man hätte es doch Mordilidrom nennen können oder so, dann wäre es ein Palindrom, aber wenigstens ein richtiges. Aber diese Linguisten waren für ihre Einfallslosigkeit und Denkfaulheit genauso bekannt wie die meisten anderen Akademiker. Alles musste man selber machen!«

– S.34

Prinzession Dylia ist die einzige Tochter eines Königs in Zamonien und leidet an der DER KRANKHEIT, die unter anderem das Syndrom der Schlaflosigkeit aufweist. Infolgedessen ist sie manchmal bis zu 20 Tagen wach. Dylia ist schlagfertig, nachdenklich, mondsüchtig, unglaublich kreativ, liebt Wörter und ist dem Wahnsinn sehr nahe. Ihr liebster Satz ist »Ach geh mir doch weg.«.

»Prinzessin Dylia wollte etwas fragen, aber es gelang ihr nicht.
Der Gnom legte den Kopf schief, sah sie jetzt beinahe mitleidig an und sprach mit leiser, fast flüsternder, aber überraschend wohlklingender und eindringlicher Stimme: ›Schhh… du brauchst dich nicht anzustrengen, um es auszusprechen. Ich weiß ganz genau, was du sagen willst. Es sind zwei Fragen.‹ Er hob seine rechte fleckenfarbige Hand und streckte zwei Finger aus, die mit gelblichen Krallen bewehrt waren. ›Die eine lautet Wer bist du? Und die andere: Was willst du von mir?‹ Er rückte seinen Kopf wieder gerade und lächelte.«

– S. 71

Havarius Opal ist ein Nachtmahr aus dem Traumversum, der sich von den Ängsten der Menschen ernährt. Er ist altklug, selbstbewusst, wenn nicht sogar arrogant wie nichts und mit einer unglaublich großen Klappe ausgestattet. Ihr seht, die beiden passen viel zu gut zusammen, denn wenn sie sich begegnen, da gibt es Wortgefechte! Puh.

Amydala

Walter Moers schreibt, wie ein Irrer, als wäre er dem Wahnsinn schon verfallen und das dann so wunderbar schön und mit einer ganz speziellen Note.
Allerdings ist das ausgeprägteste Merkmal wohl, dass er überschäumt mit Kreativität und man jedes Mal den Hut vor dem Einfallsreichtum dieses Mannes ziehen möchte.

Autor

Er ist der geistige Vater von „Käpt’n Blaubär“ und „Kleines Arschloch“. Walter Moers, 1957 in Mönchengladbach geboren, hat weder Kunst studiert noch eine grafische Ausbildung genossen. Dennoch gehört er seit 1985 zu den besten deutschen Comicautoren. 1994 erhielt er für das Konzept der TV-Sendung „Käpt’n Blaubärs Seemannsgarn“ den renommierten „Adolf-Grimme-Preis“. Im gleichen Jahr bemühte sich das Landesamt für Jugend und Soziales, eines der „Kleines-Arschloch“-Bücher auf den Index zu setzen. Ohne Erfolg. Mittlerweile hat sich der Zeichner mit Werken wie „Die Stadt der träumenden Bücher“ auch als Autor von Romanen und Erzählungen etabliert. Die Leser lieben seine Geschichten aus Zamonien, dem Kontinent der Fantasie – und des Humors, natürlich.

Fazit: LEST ES! Man muss kein Zamonien-Vorwissen für diesen Roman besitzen, man muss nicht mal durchschnittlicher Käpt’n Blaubär-Schauer gewesen sein. Im Gegenteil: schlag es noch jetzt auf und werde Teil der Zamoniencrew.
Uneingeschränkte Leseempfehlung für alle und jeden, denn es rockt!

Plot                       ✪✪✪✪✪/5✪
Cover                   ✪✪✪✪✪/5✪
Charaktere         ✪✪✪✪✪/5✪

»Meine Gedanken sind meine Freunde«, dachte die Prinzessin.»Deswegen bin ich niemals allein.«
– S. 14

Das könnte Dich auch interessieren...

3 Antworten

  1. Ich liebe Walter Moers! Eigentlich wartete ich ja auf das Schloss der Träumenden Bücher und war sehr überrascht, als ich zufällig las, dass endlich ein neues Buch von ihm erscheinen sollte, aber eben nicht das erwartete. Egal, Hauptsache Moers!
    Noch habe ich es nicht, aber Deine Rezension macht noch neugieriger als ich es ohnehin schon bin. Jemand meinte tatsächlich, es sei langweilig, aber das glaube ich keinesfalls. Bestimmt hat derjenige einfach keinen Sinn für diese tollen, fantastischen Romane.

  2. Wow, was für eine mitreißende Rezension!
    Ich habe erst vor kurzem zu meinem ersten Werk vom Autor gegriffen, die Graphic Novel Variante von Die Stadt der träuenden Bücher, und überlege nun schon fieberhaft, was wohl als nächstes kommen soll.
    Hiermit steht die Entscheidung wohl fest!
    (Wobei es ein wenig gemogelt ist, Rumo durfte bereits bei mir einziehen – aber DANACH wird Prinzessin Insomnia auf jeden Fall als nächstes kommen!)

    Vielen Dank für den tollen Tipp!
    Liebste Grüße <3 Jill

    • freidichterin sagt:

      Oh Jill!
      Dann bist du ganz klar mein nächstes Opfer, das ich mit der moersschen Sucht anstecken werde:
      erst ganz langsam und subtil, aber eigentlich mit riesengroßen Lettern über der Stadt, die schreien: Lies seine verdammten Bücher – ALLE!

      Rumo ist eine gute Wahl! – Spannend und schön. Aber du musst wirklich alle seiner Werke lesen, sie sind atemberaubend und zu Papier gewordene Fantasie und Liebe.

      hihi xo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.