Artemis Fowl und wie ich Jahre später zurückkam…

Lasst mich eine Vorgeschichte erzählen:

Eoin Colfer und seine Artemis Fowl-Reihe sind vor allem in Europa, aber auch in der restlichen westlichen Welt in vielen Buchläden und Büchereien zu finden und mir ist als Kind und Jugendlicher auch ganz oft einer dieser Buchbände mit diesem merkwürdigen Jungen und Mann oder was auch immer drauf gezeichnet war, unter die Augen gekommen und ich hab genau das gedacht:
„Was ist das denn bitte? Ist Artemis Fowl dieser komische Mann im Anzug (Artemis selbst ja), aber das ist ja ein Erwachsener, warum sollte der in einem Kinderbuch die Hauptfigur sein? Oder ist Artemis dieser kleine Jungen mit den großen Augen, den spitzen Ohren und diesen Raumanzügen (ja das war Holly)? – sieht auf jeden Fall bescheuert aus.“ [man beachte, ich war jung und dumm und sehr vorurteilsbehaftet]

Jahre später – ziemlich genau vor 1,5 Jahren war ich mit meinem Buchclub #BücherBrezn unterwegs in München, nach dem Buchbesprechen in einem Café waren wir NATÜRLICH noch unterwegs, um Buchläden zu durchstöbern nach den neusten Schätzen und in München bietet sich da ganz ungemein der TEXXT an – das ist ein Laden, in dem Mängelexemplare für weniger Geld verkauft werden. Sie haben nicht nur eine stolze Sammlung an Reclamheften, sondern auch noch einen unglaublichen tollen Wühltisch für englische Bücher.

Aber Eoin Colfer und ich, wir sind uns noch vor dem Laden begegnet. Dort in einem der Buchständer vor dem Laden, waren in wunderbarer Verfassung die drei Teile der „WARP“-Reihe des lustigen Iren für – ich glaube – 7€ das Buch (und das sind Hardcover!)  angeboten und ich hab sie an mich gerissen, bevor auch nur irgendjemand sie für sich beanspruchen konnte. Das war erst ein reiner Covergriff, aber danach war es ein Inhaltskauf, weil es immerhin um Zeitreisen ging und yeah.

Diese Bücher hab ich dann auch relativ schnell gelesen, weil ich mich augenblicklich in den Schreibstil und den verdammt guten Humor von Eoin Colfer verliebt habe. Da in WARP auch nocj Charaktere, Setting und Spannung gepasst haben, wie die Faust aufs Auge, war es dann vollständig um mich geschehen und ich stürzte mich auch Hals über Kopf in die Geschichte rund um Artemis Fowl, das Volk der Unterirdischen und den verrückten Abenteuern die ihnen immer wieder passierten. Acht Bücher später und ich bin wieder einmal verzückt über alles, einfach weil eben!

Eoin Colfers Schreibstil und Humor sind eh grandios und unglaublich berauschend – er hat diesen tollen britischen Humor, der zwar manchmal stumpf wirkt, aber absolut wirkt und mich (die, wie ich ohne großen Stolz verkünde,einen echt anstrengend anspruchsvollen Humor hat) schallender hat loslachen lassen, als „Die Känguru-Chroniken“ von Marc-Uwe Kling. Vielleicht ist das aber auch so eine Sache: Letzterer ist auf Komik ausgelegt, Artemis Fowl ist in erster Linie eine Abenteuergeschichte und die Humorspitzen überraschen hier viel mehr und sind deswegen umso amüsanter.

Eoin Colfer zeichnet Charaktere so fein und so stark in ihrer authentischen Form, dass man gar nicht anders kann, als es zu bewundern, wie er die einzelnen Figuren einführt und uns nur nach wenigen Minuten das Gefühl gibt, dass man diese schon ewig kennt.
Ich hab mich mit einer guten Freundin und Literaturfreundin unterhalten und sie meinte, dass sie Artemis Fowl gerade deswegen als Kind nicht weitergelesen hat, weil ihr Artemis nicht die Bohne sympathisch war, weil er einfach so ein gemeiner Wicht ist.
Und ja da hat sie Recht, denn Artemis ist gemein und kalt und berechnend und autistisch im ersten Roman, aber dann entwickelt sich dieser kalte, blasse Junge mit dem Herz aus Stein innerhalb von acht Büchern zu einem verwirrten Teenager, der immer mehr auftaut, sich beim Weinen erwischt und heldenhafte Taten vollbringt, die nicht nur ihm selbst einen Vorteil verschaffen.

Wir beobachten eine ZUP (Zentraleuntergrundpolizei)-Elfe namens Holly Short, die zwar nicht immer regeltreu ist, aber eine sehr starke Meinung hat, wie sie immer mehr diesen Jungen in ihr Herz schließt und tausend Mal ihr Leben für diese Menschen und Unterirdischen, die sie irgendwann ihre Freunde nennt, aufs Spiel setzt, um etwas wichtigeres zu tun, als immer nur stur den Polizeigesetzen zu folgen.

Wir treffen auf einen IT-versessenen Zentauren, der sich für verdammt schlau hält, aber eigentlich verdammt socially akward ist und dadurch, dass er immer öfter an seine Grenzen stößt, irgendwann alles ablegt und an nichts anderes als an seine Freunde denkt (und ein bisschen sehr auch an sich, aber das können wir wahrscheinlich nie aus Foaly rauskitzeln).

Da ist Butler, da ist Mulch Diggums und die Familie Fowl, der Polizei Chef Julius Root, der zwar eine harte Schale hat und auch gut und gerne seine cholerische Ader zeigt, der im Grunde nur sehr, sehr an seinen Leuten hängt.

Eine Gruppe von Freunden, die man begleitet für acht Abenteuer, fünf Freunde, die bei Feindschaft starten und am Ende etwas haben, dass wahrscheinlich über unser Verständnis hinausgeht. Wenn man so und so oft die Welt zusammen gerettet hat, dann muss sich das ja irgendwie darauf ausüben.

Aber warum liebe ich es jetzt so abgöttisch – fast schon so heftig wie Harry Potter und mindestens so gerne wie Percy Jackson?

Weil der Humor mich voll und ganz mitnimmt, weil die Geschichte spannend ist und verdammt neugierig macht. Weil die Figuren so echt wirken auf mich, weil man in jeden reinschauen kann, jeden auf seine Art und Weise kennen und lieben lernt und weil so viel passiert ist, dass auch ich (fast schon als Teil der Freundesgruppe) nicht wieder vergessen kann, was wir alles durchgemacht haben – verdammt!

Demnach hier meine wärmste Leseempfehlung für die Abenteurer da draußen – lasst euch ein bisschen auffangen und in diese Zwischenwelt, zwischen Kind und Erwachsener abtauchen, denn es gibt sie da draußen noch: die guten Geschichten, die auch ohne super starken broody Boyfriend und ohne naive, unsichere Protagonisten auskommen – sie verstecken sich nur manchmal sehr gut hinter schlechten Covern und dann ist es manchmal schon zu spät – ready, set, goooooo!

Kennt ihr Artemis Fowl? Habt ihr das gelesen? Wie fandet ihr das? Wer ist euer Lieblingscharakter (ich könnte mich nicht entscheiden, aber Mulch Diggums kommt schon nahe ran 😉 )? Wenn ihr es nicht gelesen habt, habt ihr schon mal davon gehört? Warum habt ihr es bis jetzt immer zur Seite gelegt? – Lasst mich das doch wissen!

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2 Antworten

  1. Jacquy sagt:

    Ich habe den ersten Band seit Eeeeeewigkeiten im Regal stehen, seit ich das Buch von meinem Bruder gerettet habe, der es nicht mehr haben wollte. So ganz überzeugt, dass ich es wirklich lesen möchte, war ich irgendwie trotzdem nie, aber ich denke dein Beitrag hat mich jetzt doch überzeugt. Hoffentlich dauert es keine weiteren Eeeeeewigkeiten, bis ich mich mal ranwage.

    • freidichterin sagt:

      Auf jeden Fall ausprobieren.
      Wie gesagt, ich wahr auch lange skeptisch, aber nachdem ich es dann abgelesen hatte, war ich schockverliebt.

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